Dr. Lee Teng-hui ist verstorben

 

Taiwan trauert um seinen ersten demokratisch gewählten Präsidenten, Dr. Lee Teng-hui. Lee war zwischen 1988 und 2000 Taiwans Präsident und führte Taiwan durch eine schnelle und friedliche Demokratisierung. Viele bezeichneten ihn als „Vater der Taiwaner Demokratie“ oder als „Mr. Democracy“. Lee war im Februar mit Lungenentzündung diagnostiziert worden und für mehr als fünf Monate intubiert gewesen, als er am Donnerstag, 30. Juli, im Alter von 97 Jahren an den Folgen eines septischen Schocks und mehrfachem Organversagen starb.

Der unter der japanischen Kolonialherrschaft geborene Lee war ein Veteran des 2. Weltkrieges in der japanischen Armee, der in Japan und den Vereinigten Staaten studiert hatte. Er trat 1971 der nationalistischen Partei Kuomintang (KMT) bei und wurde vom KMT Präsidenten Chiang Ching-kuo als dessen designierter Nachfolger gefördert. 1984 wurde er von Chiang als Vizepräsident nominiert und nach Chiangs Tod 1988 wurde er der erste Präsident, der in Taiwan geboren war.

1990 bestätigte die Nationalversammlung Lee für eine volle sechsjährige Amtsperiode. Wenige Tage vor seinem offiziellen Amtsantritt am 21. März besetzte eine prodemokratische Demonstration, die sich selbst die Wilde-Lilien-Bewegung nannte, den Platz vor der Chiang Kai-shek Gedächtnishalle in Taipei. Mit den Bildern der Studentenproteste auf dem Tiananmenplatz in Beijing vom vorigen Jahr noch frisch im Gedächtnis lud Lee eine Delegation von 50 studentischen Wortführern zu Gesprächen ins Präsidialamt ein und verpflichtete sich zu einer Bandbreite von demokratischen Reformen, die im Sommer begannen.

In den darauffolgenden Monaten und Jahren gelang es Lee, konstitutionelle Veränderungen durchzuführen, die den Grundstein für Taiwans heutige Demokratie legten, darunter die Einführung der direkten Präsidentschaftswahl durch das Volk, die Reform der später aufgelösten Nationalversammlung und die Abschaffung einer Reihe von Exekutivvollmächten, die als „temporäre Massnahmen gegen die kommunistische Revolution“ bekannt waren. Er gewann in der Folge die ersten freien demokratischen Wahlen in Taiwan mit einem deutlichen Vorsprung von 54 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 76 Prozent.

In seinem späteren Leben wurde Lee zu einem prominenten Verfechter der Taiwaner Identität und des Taiwaner Staatswesens. Wir ehren Lee Teng-huis bedeutenden Beitrag zu Demokratie, wirtschaftlicher Entwicklung und den Menschenrechten in Taiwan. Sein Vermächtnis lebt in der pulsierenden Gesellschaft des heutigen Taiwans.