Die Beziehungen zwischen Taiwan und Österreich

Die Republik China (Taiwan) und Österreich unterhielten zwischen 1913 und 1971 diplomatische Beziehungen. Obwohl es im Moment keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern gibt, herrscht doch gutes Einvernehmen auf der Basis von gemeinsamen Werten: Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit und Menschenrechten. Taiwan und Österreich pflegen auch sehr gute Kontakte in den Bereichen Wirtschaft, Handel, Tourismus und Bildung. Es gibt einen aktiven akademischen Austausch; in Wissenschaft, Kultur und Medizin gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit. Österreich hat in Taipei das Austrian Office Taipei und ein Handelsbüro eingerichtet.

Im Jahr 2020 betrug das Handelsvolumen zwischen Taiwan und Österreich ca. 1.349,5 Millionen US$. Exportgüter von Taiwan nach Österreich sind Halbleiter, Zubehör von Fahrzeugen, Zubehör von Maschinen, Kunststofferzeugnisse, Diagnose- oder Laborreagenzien, Kommunikationsgeräte, Speicher, pharmazeutische Erzeugnisse, elektrische Komponenten sowie Maschinen. Die wichtigsten Importgüter von Österreich nach Taiwan sind Maschinen zur Herstellung von Halbleitern, Röntgen-Gerät, Kraftfahrzeuge, pharmazeutische Erzeugnisse, Ferrolegierungen, Aluminium sowie Maschinen.

Da Österreich über umfangreiche historische, kulturelle und touristische Ressourcen verfügt, ist es seit langem ein Lieblingstourismusziel der Taiwanesen. Im Moment gibt es von China Airlines und Eva Air insgesamt 12 Flüge pro Woche zwischen Wien und Taipeh. Die Verkehrsverbindung zwischen den beiden Ländern ist damit ausgezeichnet.

Um den Austausch der jungen Menschen zu fördern, mehr gegenseitiges Verständnis und Freundschaft zu erreichen, haben Österreich und Taiwan im Jahr 2014 das Working Holiday Program unterzeichnet. Laut diesem Programm verfügen die beiden Seiten jeweils über eine Quote von 50 Visa, die an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren für jeweils 6 Monate vergeben werden. Wir heißen junge Menschen aus Österreich willkommen, diese Gelegenheit zu nutzen, um die Natur, die Menschen, die Kultur, die Bräuche, Freundschaft und die Gastfreundschaft der Taiwanesen zu erleben. Auch die gut erhaltene chinesische Kultur auf Taiwan ist sicherlich eine Reise wert.

Die Beziehungen im Bildungsbereich zwischen Taiwan und Österreich haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Bis Juni 2017 wurden drei Bildungskooperationsabkommen zwischen beiden Ländern unterzeichnet: Das erste MoU wurde im September 2016 für Zusammenarbeit auf Bundesebene im Hochschulbereich signiert. Im gleichen Jahr mündeten die Verhandlungen zur Zusammenarbeit auf Bundesebene bei berufsbildenden höheren Schulen zwischen beiden Ländern in einem MoU. Zuletzt wurde ein MoU zwischen den Bildungsministerien unserer beiden Länder unterzeichnet.

Taiwan und Österreich arbeiten im Hochschulbereich eng zusammen, derzeit haben zumindest 46 Hochschuleinrichtungen aus Taiwan mit 22 Hochschuleinrichtungen in Österreich Partnerschaftsverträge abgeschlossen. Das Vienna Center for Taiwan Studies an der Universität Wien wird vom Bildungsministerium in Taiwan unterstützt. Ebenso hat das Ministerium einen Chinesischlehrer aus Taiwan entsendet, der an der Sinologie unterrichtet. Weiters wird das Management Center Innsbruck ab dem Wintersemester 2017 das Taiwan Studies Project einführen.

Jedes Jahr kommen mehr als tausend Personen im Rahmen von Delegationen im Bildungs-, Kultur- und Sportbereich nach Österreich. Bei Studierenden aus Taiwan, die in Österreich zum Austausch oder längerfristig studieren, wurde die 500er Marke durchbrochen. Die Zahl österreichischer Studierender die Taiwan besuchen oder sich länger dort aufhalten nimmt ebenso stetig zu.

In Österreich konnte sich die Industrie bereits sehr früh entwickeln. Weil österreichische Unternehmen im Allgemeinen die Bereich Forschung und Entwicklung sehr betonten, ist die österreichische Technologie in bestimmten Bereichen Weltspitze, z.B. in Verfahren gegen Luftverschmutzung und zur Abwasserbehandlung, beim Recycling von Abfällen, der Verarbeitung von Biomasse, Sonderstahlverarbeitung, grüner Energie und Biotechnologie. Diese Bereiche haben für Taiwan Vorbildfunktion. Taiwans Ministerium für Wissenschaft und Technologie hat mit der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Jahr 2015 ein Kooperationsmemorandum unterzeichnet, damit die beiden Länder ihre Kooperation auf den Gebieten Wissenschaft und Technologie noch weiter verstärken können.

Auch im Gesundheitsbereich gibt es seit Jahren gute Kontakte. Taiwans Gesundheitsministerium arbeitet eng mit der in Wien ansässigen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zusammen. Zuständige Mitarbeiter des Ministeriums kommen zu Trainingszwecken nach Österreich, um sich weiter zu bilden.

Im Jahr 2014 haben Taiwan und Österreich ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet, um die doppelte Besteuerung zu vermeiden und Steuererleichterungen zu gewähren. Der Gewinn der Unternehmen der beiden Seiten wird somit gesteigert und die Konkurrenzfähigkeit taiwanesischer Unternehmen in Österreich erhöht. Ein weiteres Ziel ist es, Taiwan als Investitionsstandort mit niedrigen Steuern zu etablieren und Investitionen aus Österreich anzuziehen.

Aus all diesen Punkten ist ersichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen Taiwan und Österreich positiv und stabil entwickeln. Wir hoffen, dass die beiden Länder in der Zukunft auf der jetzigen Basis den Austausch und die Kooperation in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, Bildung und akademische Lehre, Kultur, Tourismus, Medizin, Gesundheit und Landwirtschaft erweitern können, um eine Win-Win-Situation für beide Seiten zu schaffen und die gegenseitige Freundschaft zu vertiefen.